Die Kulturheidelbeeren sind mit großer Sortenvielfalt durch Züchtungen aus Pflanzenarten der Untergattung oder Sektion Cyanococcus in der Gattung der Heidelbeeren (Vaccinium) hervorgegangen. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden über 100 neue Sorten kultiviert. Heidelbeeren gehören zur Pflanzenfamilie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Kulturheidelbeeren stammen nicht, wie häufig angenommen, von der in Europa heimischen Heidel-, Blau- oder Waldheidelbeere (Vaccinium myrtillus) ab, deren Früchte Mund und Lippen beim Verzehr blau färben, sondern sind nordamerikanischen Ursprungs. Die färbenden Anthocyane befinden sich bei ihnen in der Fruchtschale der fast kugelrunden, blauen Beeren; ihr Fruchtfleisch ist weiß.

Botanische Beschreibung
Kulturheidelbeeren sind ausdauernde, aufrecht wachsende, vielverzweigte, sommergrüne Halbsträucher (Chamaephyten). Sie können Wuchshöhen bis zu mehreren Metern erreichen oder wachsen mit nur wenigen Zentimetern Wuchshöhe als Bodendecker. Kennzeichnend sind krugförmige Blüten und blaue, bereifte Beeren.
Herkunft und Taxonomie
Kulturheidelbeeren sind durch Züchtungen aus den in den USA und Kanada heimischen Pflanzenarten der Gattung Vaccinium in der Sektion oder Unterart Cyanococcus beziehungsweise deren Hybride hervorgegangen. Die genaue Anzahl der Arten innerhalb der Gattung Vaccinium umfasst nach unterschiedlichen Literaturangaben und taxonomischen Bearbeitungen etwa 100 bis über 400 Arten.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden über 100 neue Kulturheidelbeersorten kultiviert und jährlich kommen neue hinzu. Die älteren sind Auslesen aus den natürlich vorkommenden Wildbeständen in Nordamerika (Wildsorten). Die Mehrzahl der aktuellen Sorten sind dagegen gezielte Kreuzungsprodukte. Neben Selektionen aus der Kreuzung aus V. angustifolium und V. corymbosum sind Kulturformen der Elternarten selbst, weiterer Hybride aus der Amerikanischen Heidelbeere (V. corymbosum) und anderen Arten der Gattung Vaccinium in Kultur.
Geschichte des Anbaus
Bereits in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts bauten nordamerikanische Farmer in ihren Hausgärten die ersten Wildformen von Heidelbeeren an, meist ohne großen Erfolg, denn die Beeren blieben sehr unterschiedlich in Größe, Form und Geschmack. Sie kamen zu der Auffassung, "Blueberries" ließen sich nicht für den Markt kultivieren. Erst die Pflanzenzüchterin Elizabeth Coleman White (1871-1954) veranlasste um die Jahrhundertwende ein Programm zur Auslese geeigneter Heidelbeersträucher. Sie nahm im Jahr 1911 Kontakt zu dem Botaniker Frederick V. Coville (1867-1937) auf, der bereits seit 1906 Ausleseversuche aus Wildbeständen durchführte und es kam zu einer Kooperation. Während die Familie der Whites über die finanziellen Mittel und ein Farmgelände in den Pine Barrens mit der nötigen Infrastruktur für ein umfangreiches Ausleseprogramm verfügte, lieferte Coville das wissenschaftliche Hintergrundwissen. Whites Vater, J. J. White, ein erfolgreicher Farmer, Ingenieur und Investor, vermarktete neben Cranberries (Vaccinium macrocarpon) bereits Heidelbeeren aus den Wildbeständen der umgebenden Moore und Sümpfe, die von Saisonarbeitern gepflückt wurden. Die Pflücker wurden im Rahmen des Ausleseprogrammes gegen Entlohnung beauftragt, in der Umgebung die besten Sträucher mit den größten und süßesten Früchten ausfindig zu machen, die Sträucher benannte Elizabeth White nach ihren Findern. Die Pflanzen wurden geteilt und zunächst unter Glas auf der Farm der Whites ausgepflanzt. Bereits nach fünf Jahren hatten White und Coville im Jahr 1916 eine ertragreiche und großfrüchtige Sorte erstellt, die reif für die Vermarktung war. Die "erste Kulturheidelbeere" wurde 'Rubel' genannt nach Rube Leek, dem Finder des Busches. Es handelte sich um ein Strauch von Vaccinium formosum, aus dem die Wildsorte ausgelesen wurde. Sie wird heute noch angebaut und ist Bestandteil etlicher Züchtungen und zahlreicher Folgeselektionen.
Die Heidelbeeranbaufläche wuchs rasch, besonders in den Oststaaten der USA. In den 1950er Jahren betrug die Gesamtanbaufläche in den USA rund 8.000 ha, in den 1990er Jahren wurden schon in 36 US-Bundesstaaten auf einer Fläche von 20.000 ha Kulturheidelbeeren angebaut.
In Europa wurden die ersten Anpflanzungen der Kulturheidelbeere zum Zweck der Beerenproduktion 1923 in den Niederlanden vorgenommen. In Deutschland begann die Heidelbeerzüchtung 1930 unter Federführung des Botanikers Wilhelm Heermann. Erste große Kulturheidelbeerfelder wurden 1950 angelegt.
Heute haben sich etwa 20 bis 30 Kulturheidelbeersorten weltweit durchgesetzt und werden in größerem Umfang angebaut, Weltmarktführer ist die Sorte 'Bluecrop', die Sie auch auf unserer Plantage finden. Vor allem ihre Eigenschaft, auf sehr unterschiedlichen Standorten hohe und regelmäßige Erträge zu liefern, war Grundlage ihres weltweiten Siegeszuges, darüber hinaus ist sie kältehart, trockenheitstolerant und wenig anfällig gegen Krankheiten und Schädlinge.
Die Hauptanbaugebiete Deutschlands liegen in der Lüneburger Heide, in Brandenburg, im Oldenburger Raum sowie in Süddeutschland und Mittelbaden. Im Wesentlichen werden hohe bis halbhohe Formen genutzt. Niedrigere Formen gewinnen auf Grund ihrer aromatischeren Früchte zunehmend an Bedeutung. Ein nennenswerter Anbau findet außer in den USA und Kanada in Chile, Argentinien, Neuseeland und Australien statt. In Europa werden in Deutschland, Polen, den Niederlanden, Frankreich und Spanien Kulturheidelbeeren angebaut. Während die Anbaufläche hier noch im Jahr 2003 rund 2.300 ha umfasste, hat sie sich bis zum Jahr 2006 auf rund 4.500 ha nahezu verdoppelt.
Quellenangabe:
- de.wikipedia.org/wiki/Kulturheidelbeeren
- Georg Ebert: Anbau von Heidelbeeren und Cranberries. Praktiker-Reihe, Ulmer-Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 978-3-8001-4420-4.
- Mark Rieger: Blueberries - Vaccinium spp., University of Georgia, URL, letzte Aktualisierung August 2006, abgerufen im März 2008.
- Mark Longstroth: A Year in the Life of a Blueberry Bush, Michigan State University 2000 URL, letzte Aktualisierung 2003, abgerufen im März 2008.
- U. Starfinger & I. Kowarik: Vaccinium angustifolium × V. corymbosum (Ericaceae), Kultur-Heidelbeere. PDF, Artensteckbrief in der Neo Flora, letzte Aktualisierung August 2007, abgerufen im März 2008.